Peter Pöschl hat Aufbauarbeit geleistet - Jetzt beginnt der Ruhestand
Ein Porträt von Barbara Grießinger, Hohenloher Zeitung, vom 13.07.2010
Und doch ist es auch seine Schule. Nicht nur weil er sich 1988 für die Geschwister Scholl als Namensgeber stark gemacht. Kein Allerweltspädagoge sollte es sein, sondern jemand, der regionalen Bezug hat und sich leidenschaftlich für eine bessere Gesellschaft und ein engagiertes und menschliches Miteinander eingesetzt hat. Für bessere Bildungschancen für Kinder mit Behinderung hat sich Peter Pöschl mit Leidenschaft eingesetzt. Aus einfachsten Anfängen hat er seit 1972 die Geschwister-Scholl-Schule nicht nur aufgebaut, sondern ausgebaut und immer wieder neuen pädagogischen Anforderungen angepasst.
Zufall
Dabei ist es eigentlich Zufall, dass der Mann, der als Vierjähriger aus der Wachau nach Öhringen kam, überhaupt Sonderschullehrer geworden ist. Gleich nach seiner Ausbildung als Grund- und Hauptschullehrer hat ihn das Schulamt einer Sonderschule in Giengen/ Brenz zugeteilt. "Ich habe protestiert", erinnert sich der 64-Jährige heute. Schließlich hätte er keine Erfahrung gehabt. Doch es hieß nur: "Jetzt gehen Sie da mal hin. Das können Sie schon." Peter Pöschl ging hin, sattelte wenig später die Zusatzausbildung in Sonderpädagogik drauf mit Spezialgebiet Schüler mit geistiger Behinderung − und kam zurück nach Öhringen.
Aufbau
Das war 1972. Im Altkreis Öhringen gab es noch keine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. "Eine solche Schule aufzubauen, das war dann meine Aufgabe", erzählt er. In Kupferzell hat er für den Altkreis Öhringen eine erste Schule für Bildungsschwache − "so hieß das damals" − mit zunächst 22 Schülern aufgebaut und im nächsten Jahr, dem Geburtsjahr des Hohenlohekreises, mit ihrem Ginsbacher Pendant im Altkreis Künzelsau vereinigt. Pöschl erinnert sich in dieser Anfangszeit an "einprägsame Erlebnisse". Bei Bürgermeistern und in Pfarrämtern erkundigte er sich nach behinderten Kindern, die noch nicht einmal registriert waren.
Über Jahre hinweg wurde eine wachsende Anzahl von Kindern mit geistiger Behinderung an drei Schulstandorten − erst in Unter-, dann in Oberginsbach, Kupferzell und Westernach − aufs Leben vorbereitet. Lehrermangel und Probleme bei der Schülerbeförderung prägten den Alltag. Improvisationstalent war in Schulhäusern gefragt, die nicht auf die Bedürfnisse der Schüler ausgerichtet waren. Auch als die Schule 1984 in der ehemaligen Hauswirtschaftlichen Schule in Künzelsau erstmals an einem Standort vereint war. Wenig später war das Gebäude wieder zu klein, wieder gab es eine Außenstelle − und Elternproteste.
Erst seit zehn Jahren hat die Schule im neuen und erstmals für die Belange der Kinder gebauten Haus auf den Taläckern keine Raumprobleme mehr. Dass sich der Hohenlohekreis in den 90ern für den Schulneubau entscheiden hat, war für Pöschl ein großer Erfolg − und der Standort auf den Taläckern in unmittelbarer Nähe zu anderen Schulen ein echter Glücksfall. Seitdem können die Mitarbeiter der Schule aktuelle pädagogische Ansätze gut umsetzen.
Außenklasse
"Das Schöne an der Sache war, dass nichts vorhanden war; dass man in die Tat umsetzen konnte, was man im Studium mitgekommen hat", erinnert sich Pöschl an seine Anfangszeit an der Schule. Das gilt auch heute noch. Davon zeugen die Kooperationen mit der Taläcker-Schule und der Freien Schule Anne Sophie, die Außenklasse, in der Kinder mit und ohne Behinderung zusammen lernen, oder auch der schuleigene Secondhandshop in der Künzelsauer Innenstadt, an dem Schüler Alltags- und erste Arbeitserfahrungen sammeln können. Als Peter Pöschl in den 70ern Familien mit einem behinderten Kind besuchte, hieß es oft: "Unser Kind ist behindert. Es kann nicht zur Schule." Das ist lange Vergangenheit, und Peter Pöschl ist sicher: "Unsere Schule hat auch Zukunft."





